KARIN VEIT - Langjährige Kreativchefin und Geschäftsführerin von Marc Cain - spricht über das Thema Nachhaltigkeit!

Nachhaltigkeit

...ist per Definition das Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme (vor allem von Lebewesenund Ökosystemen) gewährleistet werden soll. 

Jetzt erst einmal durchatmen. Und nochmal genau hin-lesen. Eigentlich ist es ganz einfach: handle so, dass keiner unter Deiner persönlichen Bedürfnisbefriedigung leidet oder Nachteile erfährt - vor allem Lebewesen und Öko-Systeme nicht. Damit ist nicht gemeint, man solle sich nichts mehr kaufen oder leisten. Ein gewisser Konsum gehört zu unserem Leben dazu. Und sind wir ehrlich: es gibt einfach immer wieder Schönes und tolle Dinge, die wir sehen und haben wollen. Ganz einfach, weil sie uns gefallen und wir unser Heim oder uns selbst damit schmücken.

Das ist auch gut so und das darf man auch. Vielleicht nur eben etwas überlegter und bedachter. Muss ich mein Shirt, das nicht mehr ganz so up-to-date ist wirklich gleich entsorgen? Der Esstisch ist irgendwie auch nicht mehr cool - aber gleich zum Altholz geben? Und die Ledertasche, die man ganz hinten aus dem Schrank hervorzieht, ist auch wirklich old-school und der Style eh´nicht mehr hip - am Besten auch in den Müll? Ein Umdenken hat eingesetzt: alte Möbel werden aufgearbeitet. Mit etwas Farbe (für Möbel aller Art eignet sich übrigens Kreidefarbe ganz wunderbar) und Kreativität oft ein Leichtes und auf einmal ist der Esstisch ziemlich cool. Ein Shirt lässt sich mit Textilfarbe, Schere und allerlei Applikations-schnickschnack in kurzer Zeit und mit wenig Aufwand à la mode bringen. Und der Ledertasche verpassen wir mit einem neuen Henkel, modischen Anhängern oder Patches einen neuen Look. Das Schöne dabei: es entstehen so immer auch Unikate.

Dem Ganzen geht jedoch ein Neu-Denken oder Umdenken voraus: brauche ich überhaupt 5 Handtaschen? Muss ich mir noch ein weißes T-Shirt kaufen - ich habe ja schon sechs Stück im Schrank? Und das vierte Paar Stiefel...hm...ich habe doch schon soviele Schuhe. Im Yoga nennt man das Aparigraha - "Nicht-Horten" - und betrifft unsere bewusste Reflexion darüber, was und wieviel wir brauchen. Und wenn man dann nicht widerstehen kann und viel zuviel in den Schubladen hat: auf Flohmärkten läßt sich Aussortiertes immer gut verkaufen. Und bestimmt hat man noch das ein oder andere nette Gespräch. Versprochen! Auch schön: Dinge verschenken. Es gibt Umsonst-Läden, die sich über Spenden freuen, Verschenk-Gruppen in den Sozialen Medien sind auf dem Vormarsch und vielleicht gefällt ja auch der besten Freundin gerade die alte Tasche, die man schon seit Monaten aussortieren möchte. Auch das ist nachhaltig. Anders eben. 

Weniger Konsum bedeutet Schonung der Ressourcen, ein achtsamer Umgang mit der Mitwelt und letztendlich auch Müllvermeidung. 
 

Lass´uns reden

Das Thema Nachhaltigkeit betrifft auch oder sogar ganz besonders die Mode-Branche. 

Wir haben mit Karin Veit gesprochen. Sie war nach ihrer Ausbildung bei Schiesser und dem anschließenden Modedesign-Studium 45 Jahre als Kreativchefin und Geschäftsführerin bei Marc Cain und hat dieses Sujet und die damit zusammenhängende Problematik intensiv erlebt und den Umgang damit geprägt.
Und sie ist Yogini bei uns im Namasté Yoga & Pilates. 

Brennend interessiert hat uns natürlich die Frage, wie nachhaltig Mode sein kann. "Mode ist nach wie vor der zweitgrösste Umweltverschmutzer der Welt (nach der Erdölindustrie), so Karin. "In ihrem Namen werden Ressourcen ausgebeutet, die Natur zerstört, Menschen unterdrückt und Tiere gequält. 35% aller Produzierter Kleidungsstücke werden nie verkauft sondern neu vernichtet. Deshalb ist es zwingend notwendig auch Mode nachhaltig zu machen. Sustainability bezieht sich nicht nur auf das Material. Nachhaltige, transparente Produktion, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, faire Löhne, eine insgesamt  nachvollziehbare Wertschöpfungskette sollten für Qualität stehen. Recycling, Upcycling und kreislauffähige Prozesse rücken in den Vordergrund des ökologischen Verständnisses, um bestehende Ware nachhaltig in Gebrauch zu halten. Auch nachhaltige Mode kann cool und sexy sein".

Produktionsstandort Europa - ist das grundsätzlich fair und nachhaltig? "Ja. Schon deshalb, weil die langen Transportwege entfallen und Prozesse und Aktivitiäten leichter nachvollziehbar sind", erklärt Karin. Wir möchten gerne wissen, welche Materialien die Expertin empfiehlt. Recycelte Hightechmaterialien wie Nylon zum Beispiel. Oder auch Wolle - am Besten auch recycelt. "Generell ist Kleidung, die aus wiederverwendeten Materialien besteht, empfehlenswert. Und natürlich Biobaumwolle mit Zertifikat". Fair produzierte Kleidung ist an entsprechenden Textilsiegeln und Zertifikaten erkennbar. Leider gibt es noch zuviele davon - sie sollten also dringend zusammengefasst und verständlicher werden. Können wir als Verbraucher Einluß nehmen und eine Veränderung bewirken? "Wir müssen uns zurückbesinnen und der Kleidung wieder einen höheren Stellenwert einräumen", erklärt Karin. "Wertschätzung ist hier das Stichwort. Weniger und bewusster kaufen. Auf Qualität achten, die kann man lange tragen. Und natürlich Upcycling - aus Altem Neues machen. Hier übernehmen wir Verantwortung indem wir bereits Produziertem neues Leben geben". Karins Kleiderschrank ist übrigens voll mit hochwertigen Marc Cain Lieblingsteilen. Auch diese werden teilweise verändert und neu gestaltet.

Besonders wichtig: Transparenz fordern. Modehäuser können es sich heute nicht mehr leisten, auf nachhaltige Strategien zu verzichten. Eine neue Generation von Kunden hat immer drängendere Nachfragen, die das Angebot verändern werden.


Be inspired - Upcycling 
* Kleine Flecken oder Löcher dürfen unter Applikationen (aufgebügelt oder aufgenäht) verschwinden
* Einfache Raffungen verändern die Form
* Aufgesteppte bunte Bänder und Spitzen oder kleine Stickereien sind echte Hingucker 
* Geschnittene Kanten, offen gelassen oder ausgefranst 
...oder mach´ aus deiner Lieblingsjeans eine Tasche, aus einer Jacke ein Kissen, und Shorts werden zur Laptophülle


Die Yogamacherei - by Bona & Karin
Inspiration, DIY & ganz viel Herz. Und alles für einen guten Zweck. Im Herbst ist es soweit: wir planen einen ganz besonderen Tag für
und mit Euch - Yogaworkshops, Zauberhaftes, Musikalisches, Kulinarisches und Kreatives.
Bleibt gespannt, neugierig und lasst Euch überraschen. Wir halten Euch auf dem Laufenden!


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